Sinn und Unsinn von Diäten


Seit mehr als 20 Jahren bin ich Allgemeinmedizinerin und seit mittlerweile 11 Jahren bin ich in der Gesundheitsmedizin tätig. Ich bin sehr dankbar, dass ich mehrere Sparten der Medizin leben darf.  Wenn ich einen Bereich weglassen müsste, dann würde ich mir wie ein Klavierspieler vorkommen, der nur auf einer Oktave spielen darf. Es braucht also mehrere "Oktaven", wenn wir Menschen unterstützen und in Gesundheit führen wollen: Präventionsmedizin mit Ernährungsberatung, Kurmedizin und Sportmedizin/ Physiotherapie zur Erhaltung von Gesundheit, Regulationsmedizin mit Schmerztherapie, Hormontherapie, Substitutionstherapie bei Funktionsstörungen des Körpers (Reizdarm, Erschöpfung, Infektanfälligkeit, Stoffwechselstörungen etc.) und auch die Schulmedizin bei ernsthaften Erkrankungen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall, Diabetes, schweren Darmerkrankungen oder schweren Infektionen. 

Kur- die wichtigste Therapieform zur Prävention von Erkrankung!

Die Präventionsmedizin mit der Kurmedizin ist mir aber  besonders ans Herz gewachsen, denn ich bin der Überzeugung, dass wir Ärzte/ Physiotherapeuten  vor allem die Aufgabe haben Menschen darin zu schulen, wie sie ihre Gesundheit erhalten können.

Die WHO definiert Gesundheit folgendermaßen: 
"Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens!"

Ein absoluter Idealzustand, wenn wir uns diesen vorstellen. Nun es ist natürlich so, dass wir auf Grund vieler Einflüsse, wie Wetter, Bakterien, Viren und Umweltverschmutzung eine Störung erfahren können. Meist aber sind es aber doch Einflüsse auf unseren Körper, die in unserem Alltagsleben fußen: Viel Stress ohne gleichzeitige Erholungsphasen, schlechte Ernährung, wenig Bewegung, schlechte Schlafgewohnheiten.

Gerade durch die Aufsummierung dieser Gewohnheiten kann über einen Zeitraum von Jahren eine Krankheit entstehen, insbesondere jene Erkrankungen, die zu den Haupttodesursachen in westlichen Industrieländern gehören


Übergewicht
Bluthochdruck
Diabetes mellitus mit Fettleber    
Blutfettstörung
Sie führen unweigerlich in Herzinfarkt, Schlaganfall, Nieren- und Leberversagen, Erblindung und Amputationen und kosten unser Gesundheitssystem sage und schreibe 4 Milliarden Euro pro Jahr. Ein Unsumme an Geld!

Eine ärztlich begleitete Kur - ich verwende hier bewusst nicht das Wort Diät - ist eine Möglichkeit den Menschen nicht nur Informationen zur Gesundheit durch das Gespräch zu geben, sondern sie führt uns in eine direkte körperliche Erfahrung. Wie stark der Einfluss des Entstressens, der Entgiftung, der Ernährung, der Bewegung und guter Schlafqualität auf die Verbesserung von Krankheit hat, hat auf den weiteren Umgang mit unserem Körper einen weitaus größeren Einfluss, als jedes Gespräch über eine Kur oder über Gesundheit. 

Diese Erfahrung dann in ein Lebenskonzept umzuwandeln, sollte das Anliegen eines jeden Arztes sein, der Patienten in einer Kur begleitet. Die meisten Menschen sind sehr überrascht, wie rasch sich bestehende Beschwerden lindern können, wie schnell sich durch Entgiftung und Ernährungsumstellung eine besserer Energiezustand einstellt, wie vitalisierend sich Bewegung auf den Körper auswirkt und sich auch eine verbesserte Schlafqualität einstellt, indem wir ihn sowohl reinigen, als auch entsprechend nähren.


Worin besteht also der Sinn einer Kur und was ist eine gute Kur?

Eine Kur sollte eine Zeit sein, in der wir uns auf unseren Körper konzentrieren und versuchen seinen Gesundheitszustand zu verbessern. 

Es sollte definitiv nicht nur um eine reine Gewichtsabnahme gehen, da dies den Körper meist in einen erneuten Stresszustand führt. Bei richtiger Durchführung einer Kur, kommt es aber meist zu einem entsprechenden Gewichtsverlust, der allerdings erst nach der Kur durch eine verbesserte Stoffwechselleistung des Körpers sichtbar wird.

Wer sich in eine Kur begibt, sollte ärztlich oder zumindest fachkundlich betreut sein. Um zu verstehen was durch eine Kur im Körper bewirkt wird, ist ein Erstgespräch im Sinne eines Aufklärungsgespräches und eine Schulung der Patienten wichtig. Eine durch die Kur völlig veränderte Stoffwechselsituation kann bei Patienten mit Vorerkrankungen und Vormedikationen zu gefährlichen Regulationsstörungen führen, die den Gesundheitszustand auch verschlechtern können und somit das Ziel einer Kur absolut verfehlen würden. Hier ist der Arzt also durch seine Kenntnisse gefordert, die Kur jeweils anzupassen.

Eine Kur sollte in Form einer Vorkur begonnen und durch eine Nachkur abgeschlossen werden. Wer ohne Nachkur sofort wieder in seine alten Lebensgewohnheiten zurückkehrt, überfordert das System Körper 2x, einmal in der Kur gewollt und dann, weil wir ihn meist schon wieder auf allen Ebenen überbelasten.


Warum können gefährliche Situationen durch eine Kur entstehen?

Menschen, die an Grunderkrankungen leiden und zusätzlich noch Medikamente einnehmen sind auf körperlicher Ebene regulationseingeschränkt. Was ist damit gemeint? Unser Körper hat die Möglichkeit durch verschiedenste Systeme seine Funktionen zu regulieren, z.B. den Blutdruck, die Temperatur, die Herzfrequenz, die Atmung, die Verdauung etc. Wenn allerdings Vorerkrankungen und zusätzlich eben sogar Medikamente eingenommen werden, dann ist dieser Patient in seiner Regulationsfähigkeit eingeschränkt, z.B. ist die Blutdruckregulation dann etwas träger und der Patient neigt dann zu Schwindel oder Kollaps.

Eine Kur verursacht aber eben gerade eine gewollte Regulationsstörung, wobei wir durch das Fasten und Entgiften an den "Stellschrauben" des Körpers drehen und sich der Körper gerade an diese neuen Gegebenheiten anpassen muss. Dies führt nach Anpassung, das wie ein Training zu verstehen ist, in eine Verbesserung der gesamten Stoffwechselleistung (Verdauung, Entgiftung, Durchblutung, Hormonstoffwechsel, Neurotransmitter) und nicht nur zu einem Fettverlust. Werden die Stellschrauben aber zu fest angezogen, kann der Körper nicht mehr regulieren und Störungen, wie Kreislaufkollaps, Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Immunschwäche etc können auftreten.

Damit eine Kur gelingen kann, ist es aus meiner Sicht nötig sich begleiten und sich über die "ganzkörperliche Wirkung" einer Kur aufklären zu lassen, sodass sie nicht in eine schlechte Erfahrung oder gar in einen schlechteren körperliche Zustand führt.

Dr. Verena Hackl

About the Author Verena Hackl

Dr. Verena Hackl ist Allgemeinmedizinerin mit langjähriger Erfahrung in Gesundheits-, Alternativ- und Regulationsmedizin. Sie steht für eine Medizin, die die ursächliche Behandlung in den Mittelpunkt stellt. Diese hat das Ziel, den Menschen gesund zu machen und seine Gesundheit zu erhalten. In Ihrer Wahlarztpraxis in Dornbirn nimmt sie sich ausreichend Zeit für ihre Patienten, um Krankheiten ursächlich zu behandeln.

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