Vitamin D, ein Hormon mit vielen Wirkungen

Ein niedriger Vitamin-D Status ist weltweit vor allem in Regionen nördlicher Breiten, aber auch in südlichen Ländern verbreitet. In Europa ist Vitamin-D Mangel insbesondere während der Wintermonate häufig  und betrifft ganz besonders ältere Menschen.
Eine unzureichende Versorgung mit Vitamin-D ist mit einer Vielzahl körperlichen Auswirkungen verknüpft und es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass Krankheiten, wie Bluthochdruck, Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen, metabolisches Syndrom eng mit einem niedrigen Vitamin-D Spiegel verknüpft sind.
Und aktuell von großer Bedeutung: Die berechnete COVID-19 Mortalitätsrate aus 12 europäischen Ländern zeigt eine signifikante inverse Korrelation mit dem Mittelwert des Vitamin-D Level [Laird, 2020], nämlich je niedriger der Vitamin-D Spiegel, umso höher die Todesrate durch Covid-19.


Warum Vitamin D kein Vitamin ist?

Vitamine zählen zu jenen Stoffen, die wir mit der Nahrung aufnehmen müssen, da sie der Körper nicht selbst herstellen kann. Weil der Körper in Darm und Leber aus Cholesterin seine Hormon-Vorstufe des Vitamin-D selbst herstellen kann, gilt es nun richtiger Weise als Hormon. Das aktive Hormon (Dihydroxycholecalciferol, Vitmain D3) kann jedoch vom Körper nur in Verbindung mit Sonnenlicht (UV-B Strahlung) hergestellt werden. Seine Rolle als »Global Player« im Körper des Menschen wurde lange Zeit unterschätzt.


Wie sieht es mit der Vitamin-D Versorgung in unseren Breiten aus?

Etwa 60 % der Bevölkerung in Deutschland und Österreich, insbesondere alte Menschen (sie können weniger an Vitamin-D durch Sonnenexposition produzieren) und Migranten (Dunkelhäutige Menschen benötigen mehr Sonnenexposition, um die gleiche Menge an Vitamin D zu produzieren) leiden auf Grund mangelnder Sonnenexposition unter einem ausgeprägten Vitamin-D Mangel : <20 ng/ml, ausreichende Versorgung >30 ng/ml, optimale Versorgung: 40-60ng/ml.  Und auch schon Kinder haben häufige einen Vitamin-D Mangel.


Welche Krankheiten sind mit einem Vitamin-D-Mangel verknüpft?

Bekannt ist, dass Erkrankungen wie, Rachitis und Osteomalazie, Osteopenie und Osteoporose, Erkrankungen der Nebenschilddrüse, der Leber und der Niere mit Vitamin-D Mangel verknüpft sind.
Mittlerweile werden aber auch Krankheitsbilder wie Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, Multiple Sklerose, Immun- und Infektionskrankheiten in Zusammenhang mit Vitamin-D Mangel gebracht. Noch fehlen große Studienergebnisse, aber epidemiologische Daten und die biologische Wirkungsweise des Vitamins stützen die therapeutische Wirkung des Vitamins.
Gesichert gilt bei Diabetes, dass Vitamin-D in die Mechanismen von Insulinresistenz und Insulinsekretionsstörung bei Typ-2-Diabetikern eingreift. Vitamin-D wirkt wie ein "Zentralschalter", um zahlreiche Körperfunktionen zu steuern. Es trägt in mehr als 30 Organen und Geweben dazu bei, etwa 300 verschiedene Gene zu aktivieren. Darunter befinden sich auch Gene, die für die Anlage von Insulinrezeptoren an den Zelloberflächen sorgen und damit die Insulinwirkung und Sensitivität fördern. Zudem aktiviert Vitamin-D in Betazellen der Bauchspeicheldrüse Gene, die zur Synthese von Insulin notwendig sind. So schützt und verbessert es die Betazellfunktion, jene Zellen, die zentrale Funktion in unserem Zuckerstoffwechsel tragen. Somit ist Vitamin-D Mangel auch eng mit Herzkreislauf-erkrankungen verknüpft.
Im vergangenen Jahr veröffentlichten US-amerikanische Wissenschaftler im Fachmagazin »European Journal of Clinical Nutrition« die Ergebnisse einer Metaanalyse aus acht Langzeitbeobachtungs- und elf randomisiert klinischen Interventionsstudien zum Thema Vitamin-D und Typ-2 Diabetes. Demnach senkt eine Vitamin-D Zufuhr von mehr als 500IE pro Tag im Vergleich zu einer Vitamin-D Zufuhr von weniger als 200IE täglich das Risiko für Typ-2-Diabetes um 13 Prozent. Ferner fanden die Forscher, dass bei einem Vitamin-D Status von mehr als 25ng/ml das Risiko für Typ-2-Diabetes um 43 Prozent niedriger ist als bei einem Vitamin-D Status von weniger als 14ng/ml. Letzteres ist übrigens ein typischer deutscher Winterwert. Die Interventionsstudien belegten zudem, dass durch Vitamin-D bei Patienten mit Glucoseintoleranz die Insulinresistenz signifikant gemindert beziehungsweise die Glucosekontrolle verbessert wird.
Epidemiolgische Studien zeigen, dass Krebserkrankungen, immunologisch assoziierte Erkrankungen, wie Rheuma und neurologische Erkrankungen, wie multiple Sklerose eng mit dem Breitengrad und aber auch mit jahreszeitlichen Schwankungen und somit der Sonnenexposition verknüpft sind. Vitamin-D wirkt ähnlich wie Cortisol antientzündlich und hat somit positiven Einfluss bei Erkrankungen, die mit einer gesteigerten immunologischen und entzündlichen Aktivität einhergehen.
Umgekehrt kann eine Infektanfälligkeit auch mit einem Vitamin-D Mangel verknüpft sein, da Vitamin-D auch einen positiven Einfluss auf unser Immunsystem ausübt.


Wir waren schon mal weiter!

Fragen sie Menschen der Nachkriegsgeneration und auch noch der darauffolgenden Generation, dann werden sie Ihnen mit Sicherheit erzählen, dass es zu der damaligen Zeit „normal“ war, dass  Kinder täglich einen unangenehm riechenden Trank zu sich nehmen mussten: Lebertran. Heute muss dieses „Vitamin“, das in unseren Breiten vor allem im Winter nicht genügend durch unseren Körper hergestellt werden kann, wieder in das Bewusstsein der Menschen gebracht werden. Auch durch Nahrungsaufnahme wird es schwierig hier auf entsprechende Konzentrationen zu kommen.



Wie viel ist genug?

Stellt sich abschließend die Frage, wie viel Vitamin-D benötigt wird, um z. B. Diabetes zu verhindern? Gegenüber der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« nennt Professor Dr. Armin Zittermann vom Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen eine Untergrenze von 30ng/ml, besser wären sogar 48ng/ml. Um dahin zu kommen, müsste man allerdings mehr als 4000 IE Vitamin-D täglich zu sich nehmen.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch ein Team um Professor Dr. Heike Bischoff-Ferrari von der Universität Zürich. Wie die Wissenschaftler in »Osteoporosis International« berichten, müssten Erwachsene in unseren Breiten täglich zwischen 1800 und 4000IE Vitamin D zu sich nehmen, um optimal von dessen positiven Wirkungen zu profitieren. Gesundheitsrisiken sind aus Sicht der Autoren mit einer solch hohen Dosierung nicht verbunden.

Theoretisch kann man Vitamin- D auch mit der Nahrung zu sich nehmen, aber um 
die empfohlene Menge von 800 IE (= 20μg) Vitamin-D zu erreichen, müsste man täglich 400g Makrele essen. Alternativ gingen auch 4 kg Schweineschnitzel, 16 bis 20 Eier, 20 Liter Vollmilch, 10 kg Kalbsleder, 10 kg Brie (mit 45 Prozent Fettanteil), 600 g Avocado oder 1kg Shiitake-Pilze., was die Darmgesundheit gefährden würde.


Sonnenbaden - Mittagszeit am effektivsten!

Die Haut muss dazu mit mindestens 18 mJ/cm2 UVB bestrahlt werden. Dazu müsse der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen auf die Erde aber steiler sein als 35 Grad. In Deutschland sei die beste Tageszeit zur Vitamin-D Produktion daher zwischen 10 und 14 Uhr. Unter optimalen Bedingungen und Ganzkörperbestrahlung könne die Haut eines jungen Erwachsenen innerhalb von 15 bis 30 Minuten 10 000 bis 20.000 IE Vitamin D3 durch die Sonne bilden.
Längeres Sonnen bringt gar nichts und das Auftragen von Sonnenschutzmitteln mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF) ist für die Vitamin-D Produktion kontraproduktiv. Ab LSF 14 geht gar nichts mehr. Muss man sich also zwischen Vitamin-D Produktion und Hautkrebsrisiko entscheiden? Nein, denn um ausreichend Vitamin-D zu synthetisieren, braucht die Haut nur die Hälfte der sogenannten minimalen Erythemdosis . Diese entspricht der UV-Bestrahlungs-dosis, nach der sich die Haut innerhalb der folgenden acht Stunden zu röten beginnt. Sie ist individuell unterschiedlich. »Kurz, aber knackig«, ist also das Motto

An Wintertagen nützt das in unseren Breiten aber alles nichts, da die Sonnenstrahlen in einem zu flachen Winkel einfallen. Solarienbesuche sind auch keine Lösung, denn die Lampen sorgen meist nur für UVA-Licht.


Was sollten oder besser gesagt müssen wir tun?

Um sich ausreichend mit Vitamin-D zu versorgen, hilft wegen der dort höheren Sonnenintensität ein Aufenthalt in der Höhe, lang anhaltender Heißhunger auf Matjes, Makrele oder Lachs (Außer fettem Meeresfisch bietet die Nahrung kaum nennenswerte Vitamin-D Quellen) und der Einsatz von Vitamin-D Supplementen unter entsprechender Laborkontrolle.




Quellen:
https://spitzen-praevention.com/2020/07/07/die-wissenschaft-greift-das-thema-auf-vitamin-d-mangel-und-komorbiditaeten-bei-covid-19-patienten/
1.Laird, J. Rhodes, R.A. Kenny, Vitamin D and inflammation: potential implications for severity of Covid-19, Ir. Med. J. 113 (2020) 81.
2.Biesalski, H. K. (2020) ‘Vitamin D deficiency and co-morbidities in COVID-19 patients – A fatal relationship?’, NFS Journal. Elsevier GmbH, 20, pp. 10–21. doi: 10.1016/j.nfs.2020.06.001.
3.European Journal of Clinical Nutrition (doi: 10.1038/ejcn.2011.118).
4.Osteoporosis International (doi: 10.1007/s00198-009-1119-3).

About the Author Verena Hackl

Dr. Verena Hackl ist Allgemeinmedizinerin mit langjähriger Erfahrung in Gesundheits-, Alternativ- und Regulationsmedizin. Sie steht für eine Medizin, die die ursächliche Behandlung in den Mittelpunkt stellt. Diese hat das Ziel, den Menschen gesund zu machen und seine Gesundheit zu erhalten. In Ihrer Wahlarztpraxis in Dornbirn nimmt sie sich ausreichend Zeit für ihre Patienten, um Krankheiten ursächlich zu behandeln.

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