Ist vegan gesund?

Immer wieder werde ich als Ernährungsexpertin bezeichnet und auch als solche konsultiert. Wenn ich dann diesen "Titel" verneine, ist die Enttäuschung meiner Patienten im ersten Moment groß.

Ich möchte also schon bevor sie diesen Artikel lesen vorausschicken, dass die Ernährung natürlich auch für mich ein wichtger Aspekt der Gesundheit darstellt.  Aber er ist eben nur ein Apsekt, der neben vielen Faktoren, die es zur Gesunderhaltung des Körpers benötigt, zu bertachten ist. So ist es mir sehr wichtig nach einem ausführlichen Gespräch, das den Sinn hat alle Körpersysteme im Falle einer Krankheit oder eines Symptomes mit in die Diagnose einzubeziehen, dem Patienten ein umfassendes Therapiekonzept anzubieten, wobei auch hier die Diätetik eine beduetende Rolle spielt. 

Nun zum Thema......

In meiner Praxis besuchen mich oft vegan lebenden Menschen, die sich der Probleme der rein veganen Ernährung bewusst sind und sich daher regelmäßig durch eine Nährstoffanalyse vergewissern wollen, dass sie ausreichend mit Nährstoffen versorgt sind.  Oder, und das ist leider häufiger der Fall, eben sich nicht ausreichend mit dieser Ernährungsweise auseinandergesetzt haben und sich nun durch deutliche Mangelzustände körperliche und psychsiche Probleme ergeben. 

Grundsätzlich gilt......

  • natürlich ist eine Ernährung mit hohem Anteil an Gemüse, Obst, Salat und Rohkost, wie vegane und vegetarische Kost einer fleischlastigen und Ernährung mit hohem tierischen Anteil vorzuziehen. 
  • Es ist aber unbedingt notwendig sich mit rein veganer Ernährung auseinanderzusetzen, da sich hier durch eine Unterversorgung des Körpers mit Mikronährstoffen, weitreichende Probleme ergeben können.
  • Der Nährstoffstatus mit allen Vitaminen, Spurenelmenten, Mineralien, inklusive Proteinkomponenten sollten regelmäßig alle 3 - 6 Monate überprüft werden.


Welche Probleme können sich ergeben:


1. Vitamin B12 Mangel

Vitamin B12 oder  auch Cobalamin genannt kann der menschliche Köper nicht selbst herstellen und ist auch nur in tierischen Produkten und gewissen Algen vorhanden. So wird klar, dass eine vegane Ernährung immer mit einer Substitution von Vitamin B12 einhergehen muss.

Vitamin B12 Mangel führt zu

  • Blutarmut
  • Energielosigkeit bis zu Depression
  • Konzentrationsverlust
  • Impotenz, Libidoverlust
  • Störung der Entgiftungssfunktion des Körpers
  • Entwicklungsverzögerung bei Kindern

II. Eisenmangel

Auch der Eisenmangel ist auf Grund der schlechten Verfügbarkeit von dreiwertigem Eisen in Pflanzen sehr häufig.   Verfügbares zweiwertiges Hämeisen (Fe2+) findet sich ausschließlich in Fleisch und Fisch. Dort macht es in Form von Hämoglobin und Myoglobin etwa die Hälfte des enthaltenen Eisens aus. Pflanzliche Lebensmittel sowie Milch und Milchprodukte liefern ausschließlich Nicht-Hämeisen (Fe3+). In einer durchschnittlichen Mischkost entfallen etwa 80 Prozent des Eisens auf Nicht-Hämeisen. 


Eisenmangel führt zu

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Depressionen
  • Infektanfälligkiet
  • Kopfschmerz und Migräne
  • Haarausfall und brüchige Nägel als Spätfolge


III. Mineralstoff- und Spurenelementemangel

Nicht weniger häufig kommt es bei rein veganer Ernährung zu einem Mangel an Spurenelementen und Mineralstoffen. Allen voran ist hier Kalzium zu erwähnen. Durch das meiden von Milchprodukten kommt es sehr rasch zu einem Calciummangel, da eine Mischköstler über 40 % seines Calcium über Milchprodukte bezieht. Aber auch ein Magnesiummangel ist nicht selten.

Spurenelement wie Jod und Zink sollten ebenso im Auge behalten werden. Sind sie doch mit starken Befindlichkeitsstörungen, wie allgemeine Erschöpfung und Infektanälligkeit vergesellschaftet. 


IV. Aminosäuren

Eiweißmangel im Körper ist eines der ungünstigsten Gegebenheiten im Körper, besteht doch der gesamte Stoffwechsel aus Eiweißen. Hormone und Enzyme sind Proteine und fehlen deren kleinste Bausteine, die Aminosäuren, kann der Stoffwechsel nicht mehr funktionieren.

Rein pflanzliche Ernährung ist auch hier ein Nachteil, da in dieser nicht alle Aminosäuren vorhanden sind und es dadurch zu Mängeln einzelner sogenannter essentieller Aminosäuren kommen kann. 


Wie ist die vegane Ernährungsweise nun zu bewerten?

Aus rein medizinischer Sicht ist eine vegane Ernährungsweise nur dann empfehlenswert, wenn Nahrungs- und Ernährungsempfehlungen eingehalten werden. Es benötigt daher eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema. Neben den klassischen Nährstofmängeln, kommt es nicht selten auch zu einem Mangel an Eiweißen im Körper.

Gerade bei Kindern und Jugendlichen im Wachstumsalter ist eine rein vegane Ernährungsweise erfahrungsgemäß Hauptursache für körperliche Störungen, wie Leistungsabfall und Konzentrationsschwierkigkeiten und sollten rechtzeitig und rasch behoben werden.

Daher ist eine Nährstoffanlayse und eine zielgerichtete hochdosierte Substituionstherapie hier Therapie der Wahl!


About the Author Verena Hackl

Dr. Verena Hackl ist Allgemeinmedizinerin mit langjähriger Erfahrung in Gesundheits-, Alternativ- und Regulationsmedizin. Sie steht für eine Medizin, die die ursächliche Behandlung in den Mittelpunkt stellt. Diese hat das Ziel, den Menschen gesund zu machen und seine Gesundheit zu erhalten. In Ihrer Wahlarztpraxis in Dornbirn nimmt sie sich ausreichend Zeit für ihre Patienten, um Krankheiten ursächlich zu behandeln.

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